Freie Presse Artikel vom 31.3.2010

Von Michael Brandenburg

Beim Ausräumen fließen Tränen

Kinder- und Jugendhaus Benario hat geschlossen – Jugendzentrum bietet den Besuchern Alternativen an

Schloßchemnitz. Es ist das erste Opfer der diesjährigen Kürzungen im Etat für Jugendarbeit der Stadt. Das Kinder- und Jugendhaus Benario hat gestern seine Türen geschlossen – für immer.

Das Aus stand schon seit längerem fest: Weil die Auslastung des Kinder- und Jugendhauses an der Müllerstraße zu gering gewesen sei und insgesamt rund 537.000 Euro eingespart werden sollten, setzte das Jugendamt das Benario Ende vergangenen Jahres auf eine Streichliste. 82.000 Euro jährliche Förderung fielen damit weg. (mehr…)

Heilsarmee goes Saviour

Es ist vollbracht. Stoisch hat der Jugendhilfeausschuss den Maßnahmeplan für 2010 verabschiedet. Die Folgen sind schon hinreichend diskutiert worden und müssen hier nicht erneut ins Rampenlicht gestellt werden.

Einen neuen Aspekt bringt aber derweil die FDP ins Spiel. Deren Stadtverordneter Wolfgang Lesch wundert sich laut Aussage in der Gratiszeitung „blitzpunkt“ darüber, dass entgegen den bisherigen Aussagen der Stadtverwaltung schon in diesem Jahr 500.000 Euro für die Bewerbung um den segensreichen Titel „Stadt der Wissenschaft“ im Haushalt eingeplant werden, also ziemlich genau die Summe, die bei der Jugendhilfe gespart werden soll (Quelle blitzpunkt).

Nun könnte der gemeine Leser daraus schließen, dass auf Kosten der Kinder und Jugendlichen dieser Stadt die Teilnahme an einem Wettbewerb finanziert wird, dessen Sinnhaftigkeit für die Stadtentwicklung zu diskutieren wäre. Ebenso könnte er zu der Ansicht gelangen, dass hier wieder ein Prestigeobjekt für präsentierwütige Stadtoberhäupter auf Kosten der Allgemeinheit durchgepeitscht werden soll.

Natürlich ist dem nicht so. Unsere Stadtleitung handelt wohl überlegt. Die ehemalige Lehrerin an der Spitze weiß nur zu gut, dass Bildung sehr, sehr wichtig ist. Und die Aufgaben der für das große Ganze geopferten Leistungsempfänger können ja die Pfadfinder und die Heilsarmee übernehmen (die Jungen Pioniere gibt es ja leider nicht mehr). Amen.

Freie Presse vom 11.01.10

Jugendarbeit: Streichliste offenbar erneut verändert

Arbeiterwohlfahrt nun betroffen – Ausschuss soll am Dienstag entscheiden -Stadtverwaltung begrenzt vorsorglich Zuschauerzahl

Chemnitz. An der Streichliste der Stadtverwaltung für die Jugendarbeit hat es offenbar noch einmal kurzfristig Änderungen gegeben. Die aktuelle Fassung soll den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses erst am Dienstagnachmittag zur entscheidenden Sitzung als Tischvorlage präsentiert werden. „Obwohl ich Mitglied im Ausschuss bin, kann ich nicht sagen, was mich dort erwartet“, sagte am Montag Robert Görlach vom Verein Netzwerk, dem das Arme Theater, die Kindervereinigung, das AJZ, Radio T oder das Domizil angehören. (mehr…)

In der Kutsche durch die Stadt

Prosit Neujahr

Das Jahr 2009 ist Geschichte und wir sind genau so schlau wie vorher, das heißt nicht ganz. Wir haben gelernt, dass von Amtswegen informelle Telefonate als Zustimmung zur Kürzung gedeutet werden. Wir haben auch gelernt, dass Widerstand gegen nicht fachlich begründete Mittelstreichungen zuweilen als ein Affront gegen Lichtgestalten der städtischen Mittelverteiler verstanden wird.

Ein Höhepunkt des vergangenen Jahres war die erkennbare Demokratiefeindlichkeit von Brandschutzverordnungen. Diese Verordnungen sind in der Lage öffentliche Ausschusssitzungen komplett zu verhindern, wenn die Öffentlichkeit in geschlossene Räume vordringt. Als i-Tüpfelchen führte diese Gemengelage aus Verordnung und Öffentlichkeit bei einigen Anwesenden zur Erkenntnis, dass weitere Kürzungen nun unausweichlich seien. Oder anders: Öffentlichkeit führt zu Mittelstreichungen.

Nicht neu hingegen war die Erkenntnis, dass Parteien Beschlüsse fassen, diese aber letztlich nur als Schall und Rauch betrachtet werden und somit nichtig zu sein scheinen.

Der Stein der Weisen wurde trotz des massigen Erkenntnisgewinns nicht gefunden. Wünschen wir uns also ein ebenso erkenntnisreiches Jahr 2010 und eine Bürgermeisterin, die nicht nur stumm winkend in der Kutsche durch die Stadt fährt. Oder müssen wir alles selber machen?

ACHTUNG: Nächste Jugendhilfeausschuss-Sitzung

Am 12. Januar 2010 findet die nächste Jugendhilfeausschuss-Sitzung statt, in der über die Kürzungen für das AJZ und andere Träger der Jugendarbeit diskutiert und entschieden werden soll. Kommt wieder zahlreich um der Sitzung beizuwohnen! Es ist noch immer nichts sicher für das AJZ, deswegen müssen wir weiter protestieren und der Stadt Chemnitz zeigen, dass wir mit Kürzungen NICHT einverstanden sind.

Die Sitzung beginnt 16.30 Uhr in der Aula des Beruflichen Schulzentrums für Technik II, Schloßstraße 3, 09111 Chemnitz

Kommt zahlreich!

Tagesordnung gibts hier