Freie Presse vom 11.01.10

Jugendarbeit: Streichliste offenbar erneut verändert

Arbeiterwohlfahrt nun betroffen – Ausschuss soll am Dienstag entscheiden -Stadtverwaltung begrenzt vorsorglich Zuschauerzahl

Chemnitz. An der Streichliste der Stadtverwaltung für die Jugendarbeit hat es offenbar noch einmal kurzfristig Änderungen gegeben. Die aktuelle Fassung soll den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses erst am Dienstagnachmittag zur entscheidenden Sitzung als Tischvorlage präsentiert werden. „Obwohl ich Mitglied im Ausschuss bin, kann ich nicht sagen, was mich dort erwartet“, sagte am Montag Robert Görlach vom Verein Netzwerk, dem das Arme Theater, die Kindervereinigung, das AJZ, Radio T oder das Domizil angehören.

Damit die Beratung, die diesmal im Berufsschulzentrum an der Schloßstraße stattfindet, nicht wie die Dezember-Sitzung im Rathaus wegen Überfüllung abgesagt werden muss, hat die Stadtverwaltung die Zuschauerzahl auf 95 begrenzt und Eintrittskarten an Träger der Jugendhilfe verteilt. Denn mit Protestaktionen ist auch am Dienstag zu rechnen.

Von Sozialbürgermeisterin Heidemarie Lüth werden die Kürzungspläne mit einem verringerten Etat begründet. Mit 7,47 Millionen Euro stehen dem Jugendamt in diesem Jahr um 453.000 Euro weniger als 2009 zur Förderung der freien Jugendhilfe zur Verfügung. Hauptursache sind Sparzwänge und veränderte Prioritäten im Haushalt. Denn als Landespauschale für Kinder und Jugendliche, deren Zahl in der Stadt um 883 abnimmt, erhält Chemnitz nur knapp 13.000 Euro weniger als im Vorjahr.

Die erste Streichliste musste das Jugendamt bereits wegen der abgesagten Sitzung im Dezember überarbeiten. Damit die freien Träger überhaupt arbeitsfähig bleiben, soll deshalb am Dienstag auch beschlossen werden, die Förderung bis Ende März auf dem Stand von 2009 beizubehalten. Dadurch steht aber für die neun Monate ab April noch weniger Geld zur Verfügung. Mit einigen Veränderungen auf der Liste soll das Jugendamt auch auf die Proteste vom Dezember reagiert haben, berichten Betroffene.

Wie Netzwerk-Chef Jan Koch am Montag sagte, sollen die geplanten Kürzungen bei den Streetworker-Projekten der Vereine Domizil, Jugendberufshilfe und des AJZ weitgehend vom Tisch sein. Dagegen bestätigte der Geschäftsführer des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt, Jürgen Tautz, die drohende Schließung des Kinder- und Jugendtreffs Focus in Glösa, die jetzt erst bekannt wurde. Offenbar eine Ausnahme: „Ansonsten sollen wohl nur Mitglieder des Netzwerkes gekürzt werden“, kritisierte Koch. Die Stadtverwaltung erteilte vorab keine Auskunft. (mit gkl)

Von Michael Brandenburg