Freie Presse Artikel vom 31.3.2010

Von Michael Brandenburg

Beim Ausräumen fließen Tränen

Kinder- und Jugendhaus Benario hat geschlossen – Jugendzentrum bietet den Besuchern Alternativen an

Schloßchemnitz. Es ist das erste Opfer der diesjährigen Kürzungen im Etat für Jugendarbeit der Stadt. Das Kinder- und Jugendhaus Benario hat gestern seine Türen geschlossen – für immer.

Das Aus stand schon seit längerem fest: Weil die Auslastung des Kinder- und Jugendhauses an der Müllerstraße zu gering gewesen sei und insgesamt rund 537.000 Euro eingespart werden sollten, setzte das Jugendamt das Benario Ende vergangenen Jahres auf eine Streichliste. 82.000 Euro jährliche Förderung fielen damit weg.

Um dagegen zu protestieren, nahmen Besucher des Hauses und Mitglieder des Trägervereins Alternatives Jugendzentrum (AJZ) Ende November an einer Demonstration durch die Innenstadt teil. Es nützte nichts: Die Entscheidung über die Schließung wurde zwar im Dezember aufgrund neuerlicher Proteste vertagt. Aber im Januar bestätigte der Jugendhilfeausschuss die Streichliste und im Gegensatz zu vier anderen Projekten, für die der Stadtrat nachträglich noch erfolgreich Geld einforderte, stellte niemand einen Antrag für das Benario. Im Einzugsgebiet gebe es ja noch das Kraftwerk an der Hartmannstraße, den Treff Bunter Bogen im Haus Alma an der Karl-Liebknecht-Straße und das Kosmonautenzentrum im Küchwald – mit diesem Argument hatte die Stadtverwaltung die Stadträte offenbar beruhigt.

„Unsere Stammbesucher nehmen diese Alternativen nicht an“, weiß Jane Junghans vom AJZ. Sie und ihr Kollege Jörg Uhlig haben die 15 bis 20 Kinder und Jugendlichen im Alter von neun bis 13 Jahren, die ihren Angaben zufolge durchschnittlich pro Tag ins Benario kamen, jahrelang betreut. Dort konnten sie Tischkicker oder Billard spielen, gemeinsam kochen und in den Ferien verreisen.

Weil die Verantwortlichen vom AJZ wissen, dass einige ihrer Schützlinge ohne sozialpädagogische Hilfe auf die „schiefe Bahn“ geraten könnten, haben sie selbst alternative Angebote organisiert. „Gleich nach Ostern können die bisherigen Benario-Besucher dienstag- und mittwochnachmittags ins Stammhaus des AJZ an der Chemnitztalstraße kommen“, berichtet Jana Junghans.

Darüber hinaus sollen die Kinder- und Jugendlichen auch weiterhin aller zwei Wochen kostenfrei die Skate- und BMX-Halle des AJZ in der Schönherrfabrik nutzen dürfen. Jane Junghans selbst wechselt ab heute in die mobile Jugendarbeit des AJZ und will auch als Streetworkerin im Viertel zwischen Brühl und Schloßberg ihre Schützlinge aus dem Benario im Auge behalten, wie sie sagt.

Weil das Kinder- und Jugendhaus gestern „besenrein“ übergeben werden musste, fand bereits am 12. März die offizielle Abschlussveranstaltung statt. „Trotzdem haben natürlich auch hinterher noch öfter Stammbesucher vorbeigeschaut. Da sind Tränen geflossen, als sie gesehen haben, dass ,ihr‘ Benario tatsächlich ausgeräumt wird“, erzählt Jane Junghans.